Es gibt Bilder, die male ich, weil eine Farbe mich ruft. Und es gibt Bilder, die male ich, weil eine Geschichte durch mich hindurch will. Dieses Porträt gehört zur zweiten Sorte. Es zeigt zwei Hunde – eine Bracke und einen Labrador – die sich so sehr liebten, dass die Bracke einfach nie woanders schlafen wollte als auf ihrem Labrador. Immer und immer wieder, Nacht für Nacht, ein warmer Körper auf dem anderen, zwei Herzschläge, die sich aneinander gewöhnt hatten. Als ich anfing, dieses Bild zu malen, wusste ich: Hier geht es nicht darum, zwei Hunde korrekt abzubilden. Hier geht es darum, eine Zärtlichkeit sichtbar zu machen, die in Worten kaum zu fassen ist.
Der Anfang – ohne Skizze, wie immer
Wer meine Arbeiten kennt, weiß: Ich skizziere nicht vor. Ich stelle mich vor die leere, weiße Leinwand und lasse die Formen einfach entstehen, während der Pinsel oder das Spachtel über die Fläche wandert. Bei diesem Bild war das nicht anders. Ich hatte die beiden Köpfe im Kopf, dieses Ineinanderschmiegen, diese Vertrautheit – und dann habe ich einfach angefangen. Kein Bleistiftstrich, keine Vorzeichnung, kein Plan, der mir vorschreibt, wo welche Linie hinzugehören hat. Nur ich, die Leinwand und die Erinnerung an zwei Hunde, die zusammengehörten wie ein Satz, der nicht zu Ende gesprochen werden muss, weil man ihn schon versteht.
Diese Herangehensweise ist für mich immer wieder wie eine kleine Meditation. Ich gebe die Kontrolle bewusst ab. Ich lasse mich überraschen, wohin mich die Farbe führt. Und genau in diesem Loslassen liegt für mich die eigentliche Freude am Malen – nicht im perfekten Ergebnis, sondern im ehrlichen, intuitiven Prozess.
Die Farben – Weiß, Schwarz, Rot und Grün im Wechselspiel
Für dieses Bild habe ich mich auf eine reduzierte, aber sehr kraftvolle Palette konzentriert: viel Weiß, dazu Schwarz, Rot und Grün, die ich wahlweise miteinander vermischt habe, um die unterschiedlichsten Zwischentöne zu erhalten. Aus Weiß und Schwarz entstehen die zarten Grautöne im Fell und im Hintergrund. Aus Rot und Weiß, manchmal noch mit einem Hauch Grün gebrochen, ergaben sich diese warmen, sanften Beige- und Apricottöne, die man im Gesicht der Bracke sieht. Und aus Grün und Schwarz wiederum entstand der olivfarbene, erdige Hintergrund, der die beiden Köpfe so ruhig umschließt.
Das Weiß, das ich verwendet habe, muss ich besonders erwähnen, weil es mich selbst überrascht hat: Es war unglaublich ergiebig und dabei so cremig in der Konsistenz, dass es sich fast wie Sahne auf die Leinwand ziehen ließ. Gerade für ein Bild wie dieses, in dem so viel weißes Fell dargestellt werden musste, war das ein Segen. Man merkt einem guten Weiß sofort an, ob es deckt oder ob man dreimal drüber muss – und dieses hier deckte wunderbar, ohne dabei kreidig oder plastikartig zu wirken. Ich kann es wirklich nur empfehlen, wenn ihr selbst mit Acryl malt und viel mit Weiß arbeitet.
Von Fehlern, die keine sind
Und jetzt kommen wir zu dem Teil, den ich an der Acrylmalerei so sehr liebe: den Fehlern. Denn ja, ich habe bei diesem Bild einige Korrekturen vorgenommen – und ich sage bewusst nicht „Fehler ausgebessert”, sondern „Korrekturen vorgenommen”, weil ich Fehler beim Malen längst nicht mehr als Fehler sehe, sondern als Teil des Weges.
Den Hintergrund zum Beispiel habe ich mehrfach verändert. Erst war er heller, dann fand ich ihn zu unruhig, dann habe ich ihn dunkler gemacht, dann wieder mit mehr Grün gebrochen, bis er endlich diese ruhige, olivgraue Tiefe hatte, die die beiden Hundeköpfe trägt, ohne von ihnen abzulenken. Mehrmals übermalt, mehrmals neu gemischt – und jedes Mal hat die Farbe einfach mitgemacht. Kein Murren, keine Reste der vorherigen Schicht, die durchscheinen und stören. Genau das ist es, was Acrylfarbe für mich so besonders macht: Sie ist nachsichtig. Sie verzeiht.
Auch eine Pfote habe ich im Nachhinein verlängert, weil sie mir im ersten Anlauf zu kurz geraten war und die Proportion des liegenden Körpers dadurch nicht gestimmt hat. Ein paar Pinselstriche, ein bisschen Geduld beim Trocknen, und die Pfote hatte plötzlich genau die Länge, die sie haben musste, damit der ganze Hundekörper glaubwürdig wirkte. Niemand, der das fertige Bild betrachtet, würde vermuten, dass diese Pfote einmal ganz anders aussah.
Und genau darin liegt für mich die größte Lektion, die mir das Malen mit Acrylfarben immer wieder beibringt: Man darf Fehler machen. Man muss sogar Fehler machen, um zu einem guten Ergebnis zu kommen. Acrylfarbe trocknet zwar vergleichsweise schnell, aber solange man in Schichten arbeitet, kann man fast alles wieder korrigieren, übermalen, verändern, verbessern. Sie ist nie nachtragend. Sie hält einem keine alte Entscheidung vor. Sie lässt einen einfach neu beginnen, genau dort, wo man gerade steht. Ich finde, das ist eine wunderbare Haltung, die man sich auch fürs Leben abschauen kann: Fehler sind keine Katastrophen. Sie sind Zwischenschritte auf dem Weg zu etwas, das am Ende stimmig ist.
Zwei Hunde, eine Geschichte der Verbundenheit
Aber zurück zum eigentlichen Motiv, denn das ist es, was dieses Bild für mich so besonders macht. Die Bracke, die ihren Kopf so vertraut auf den Labrador legt, hat all ihre Nächte auf diesem einen Hund verbracht. Nicht auf einer Decke, nicht in einem eigenen Körbchen – sondern auf ihm. Als wäre der andere Hund nicht nur ein Gefährte, sondern ein Zuhause aus Fell und Wärme.
Wer selbst Hunde hat oder Hunde liebt, kennt dieses Gefühl, wenn man beobachtet, wie tief die Bindung zwischen zwei Tieren sein kann. Es ist eine Sprache ohne Worte, aber mit einer Klarheit, die uns Menschen manchmal fehlt. Kein Zögern, kein Zweifel, einfach: Ich lege mich zu dir, weil du für mich Geborgenheit bedeutest. Genau dieses Gefühl wollte ich in der Körperhaltung der beiden Hunde einfangen – die Art, wie sich die Köpfe ineinanderschmiegen, wie die Nasen sich fast berühren, wie beide Gesichter in eine ähnliche Richtung geneigt sind, als würden sie gemeinsam träumen.
Ich habe bewusst auf einen sehr nahen Bildausschnitt gesetzt, fast wie ein Zoom, der nur die Köpfe und einen Teil der Körper zeigt. Kein Hintergrunddetail, das ablenkt, kein Kontext, der erklärt werden müsste. Nur diese beiden Gesichter, dicht beieinander, in einer Pose, die für sich selbst spricht. Für mich ist das die intensivste Art, Zuneigung zu malen: nicht die ganze Szene zu zeigen, sondern den Moment größer zu machen, als er im wirklichen Leben je hätte sein können.
Die Technik im Detail
Für die Fellstrukturen habe ich mit breiteren Pinselstrichen gearbeitet, die die Bewegungsrichtung des Fells nachzeichnen – am Ohr nach unten, an der Wange nach außen, am Hals in weichen, geschwungenen Linien. Die dunklen Nasen und die Augen habe ich bewusst sehr reduziert und mit wenigen, klaren schwarzen Strichen gesetzt, damit sie als Fixpunkte im Bild funktionieren, ohne das Gesicht zu überladen. Genau diese Reduktion im Detail bei gleichzeitiger Großzügigkeit in der Fläche ist etwas, das ich in meiner Malerei immer wieder suche. Man muss nicht jedes Haar einzeln malen, um Fell glaubwürdig wirken zu lassen. Manchmal reicht eine einzige, mutige Bewegung mit dem Pinsel, um genau das Gefühl von Weichheit zu erzeugen, das man sucht.
Auch das Halsband der Bracke, ein schmaler, dunkler Streifen, der sich über den Kopf zieht, habe ich mit wenigen, sicheren Strichen gesetzt. Kleine Details wie dieses geben einem Tierporträt oft erst die persönliche Note, die es von einer reinen Fellstudie unterscheidet und zu einem echten Porträt macht – zu einem Bild von genau diesem einen Hund und keinem anderen.
Von der Leinwand und einer schönen Überraschung
Gemalt habe ich dieses Bild auf einer Leinwand im Format fünfzig mal siebzig Zentimeter. Ich hatte gleich zwei solcher Leinwände bei Amazon bestellt, für neunzehn Euro achtundneunzig – und war dann wirklich überrascht, als das Paket ankam. Denn es waren nicht nur die beiden großen Leinwände drin, sondern zusätzlich noch vier kleine, dreißig mal dreißig Zentimeter große Leinwände obendrauf. Eine kleine, unerwartete Freude, die mir sofort neue Ideen in den Kopf geschossen hat. Die werde ich jetzt natürlich auch alle noch bemalen – vielleicht kleinere Studien der beiden Hunde, vielleicht ganz andere Motive. Manchmal sind es genau solche kleinen Zufälle, die einen neuen kreativen Impuls auslösen.
Was dieses Bild für mich bedeutet
Am Ende ist dieses Porträt für mich mehr als nur eine Übung in Farbe und Technik. Es ist eine kleine Liebeserklärung an eine Freundschaft, wie sie inniger kaum sein kann. Zwei Hunde, die sich nachts aneinander schmiegten, weil sie einander brauchten und liebten – das ist etwas, das mich beim Malen wirklich berührt hat. Und ich glaube, genau das spürt man dem Bild auch an: die Wärme in den Farben, die Nähe der beiden Köpfe, die Ruhe in ihren Gesichtern.
Wenn ich male, geht es mir selten nur um das fertige Ergebnis. Es geht mir um den Prozess, um das Zulassen von Fehlern und Korrekturen, um das Vertrauen in die Farbe und in mich selbst. Acrylfarben haben mir dabei über die Jahre eine wichtige Lektion beigebracht: Man darf scheitern, man darf umentscheiden, man darf noch einmal von vorne beginnen – und am Ende steht trotzdem, manchmal gerade deswegen, ein Bild, das genau richtig ist.
Ich hoffe, dieses Porträt berührt euch genauso, wie es mich berührt hat, während ich es gemalt habe. Und ich freue mich schon darauf, euch bald von den kleinen dreißig mal dreißig Leinwänden zu erzählen, die noch auf ihre Farbe warten.
